Montag, 9. Oktober 2006 (831 mal gelesen) Wenn man einen nicht unerheblichen Teil seiner Zeit auswärts verbringt und in Hotels wohnt, wird man sich früher oder später dessen bewußt, dass man manchmal seltsam anmutenden Ritualen unterliegt.
Es ist bereits 22:30, und ich muss noch 18 Programmfehler beheben, das Programm
dokumentieren und für den Projektleiter einen Statusbericht erstellen. Was solls, ist eh nicht zu schaffen, also nur noch 3 Fehler beheben und nichts mehr schreiben, schnell einpacken und dann aber nix wie weg.
Um kurz vor Mitternacht bin ich völlig ausgehungert am Bremer Hauptbahnhof, wo bekommt man jetzt noch was vernünftiges zu essen? Bei dem großen gelben M.
Ich nuschel meine Bestellung, nehme Wechselgeld und Paket vom zurücknuschelnden Inder entgegen und stapfe damit schnell ins Hotel.
Im Zimmer angekommen muss jetzt alles koordiniert und strukturiert ablaufen, kein Handgriff und keine Bewegung darf doppelt oder sinnlos sein: was Esskonformes anziehen, Tisch und Sessel umstellen, alles in richtiger Reihenfolge auf dem Tisch bereitstellen, Fernseher an und passenden Sender suchen, was zu Lesen bereitlegen, nichts zu anspruchvolles aber auch nichts zu dumpfbackiges.
Und das ist garnicht so einfach, so könnt ihr es mal ausprobieren: früh aufstehen, Frühstücken und dann den ganzen Tag nichts mehr essen, 1 Liter Kaffe und 40 Zigaretten - dann versteht ihr was ich meine. Allerhöchste Priorität dabei hat das Ziel, alles so gut vorzubereiten, dass ein Aufstehen nach dem finalen Hinsetzen nicht mehr erforderlich ist!
Endlich fertig, nochmal Konzentration aufbringen für den letzten prüfenden Blick, es sieht gut aus: die Pommes liegen neben den aufgereihten Burgern, goldfarbene ChickenNuggets und zugehörige Soße daneben und leicht nach oben versetzt, den Stapel Apfeltaschen am äußeren Rand, Wasser, Zigaretten ... beinahe wäre es passiert, es fehlen die Zigaretten, das war knapp! Also Zigaretten und Feuerzeug aus der Hemdtasche pfriemeln und endlich hinsetzen.
Den Essvorgang werde ich an dieser Stelle aus verschiedenen Gründen nicht näher beschreiben, nehme also noch einen tiefen Schluck Wasser und greife entspannt und glücklich zur Zigarette danach. Glimmstengel also in den lässig lächelnden Mundwinkel geschoben, Feuerzeug in die Hand - und erstarre! Es ist genau der Fall eingetreten den es um jeden Preis zu verhindern galt: Ich halte nicht das Feuerzeug in der Hand sondern meinen USB-Stick.
Ich schaue es an, ungläubig, wie konnte das nur passieren. Unruhig sehe ich mich um, etwas Hoffnung habe ich ja noch, auf dem anderen Tisch liegt ein Strichholzheftchen, es besteht jedoch keine Aussicht es ohne Aufstehen zu erreichen ... aus und vorbei, verspielt.
Na gut, diesmal habe ich verloren, morgen muss es besser laufen.
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Kommentare
2006-12-0515:14:54 Das meiste Deiner Umschreibung kann ich nur bestätigen. Bei mir sind es eher die Kirschtaschen als die Apfeltaschen, aber egal
Da ich ständig auch noch die Hotels wechsel, geht mir das ständige Suchen nach dem Lichtschalter unbeschreiblich heftig auf den Sack!!! Das wirkt sich dann auch oft so aus, dass ich völlig verzweifelt zu Boden auf alle Viere sacke und mich dann so langsam durch den Raum tapse, bis ich mein Handy auf dem Tisch greifen kann um damit eine kleine Lichtquelle am Morgen zu erzeugen. Ich hasse es
2006-12-0521:08:17 Der Lichtschalter ist ein Thema für sich, da kann man ganze Bücher damit füllen, was man alles umwirft auf der Suche nach dem Wandschalter das Licht müsste irgendwie mit der Blase gekoppelt werden